Natur und Jagd im Kreis Coesfeld
... Fischotter
Nur ganz wenige Menschen haben das Glück, Fischotter in freier Wildbahn beobachten zu können. Dieser heimliche Wassermarder gehört heute zu den vom Aussterben bedrohten Säugetierarten in Mitteleuropa. Die Einstellung der Menschen zu dieser Tierart hat sich in den letzten Jahrhunderten grundlegend gewandelt. Im Mittelalter wurde er als Fastenspeise verzehrt und sein dichtes Fell war bei Fürsten als Pelzwerk sehr begehrt. Heute ist der Fischotter geradezu ein Symbol für den Naturschutz geworden, gilt seine Anwesenheit doch als Zeichen dafür, dass dort wo er überlebte die Gewässer noch in einem weitgehend gesunden Zustand verblieben sind.

Unser Fischotter hat etwa die Größe eines Fuchses oder eines Dackels. Seine kurzen Beine und der lange, kräftige, spitz zulaufende Schwanz lassen ihn jedoch eher gedrungen und schlank wirken. Durch seine stromlinienförmige Körperform ist er hervorragend an das Leben im Wasser angepasst. Ein ausgewachsener Otter wiegt etwa 7 - 12 kg und misst von der Nasen- bis zur Schwanzspitze ca. 110 - 130 cm, wovon etwa 40 cm auf den Schwanz entfallen. Der Fischotter ist unser einziges heimisches Raubtier, das an allen vier Pfoten zwischen den fünf Zehen Schwimmhäute aufweist. Diese werden beim Tauchen und Schwimmen gespreizt und erlauben ihm so eine schnellere Fortbewegung. Das Fell des Otters ist am ganzen Körper, einschließlich des Schwanzes, kurz und glänzend. Vor allem aber haben die Wassermarder von allen heimischen Säugetieren das dichteste Fell. Es hat rund 50.000 Haare auf einem Quadratzentimeter (zum Vergleich: beim Menschen sind es ca. 120 je qcm). Zwischen den einzelnen Haaren bilden sich abertausende von Luftkammern, die das Tier vor Kälte schützen und verhindern, dass das Wasser die Haut erreicht. So wird das Tier vor Kälte geschützt.
Fischotter - kurz und bündig:
Länge 110 bis 130 cm
(incl. 40 cm Schwanz)
Gewicht 7 bis 12 kg
Paarungszeit keine feste Paarungszeit
Tragzeit 60 Tage
Zahl der Jungen 1 bis 3
Die Fischotter unterliegen dem Jagdrecht, werden aber als besonders schützenswerte Art nicht bejagd.
Gesunde Otter werden niemals richtig nass und können sich auch im Winter problemlos im kalten Wasser aufhalten. Das Fell ist einheitlich mittelbraun. Jeder Otter hat unterschiedlich ausgeprägte graue oder weiße Partien an Brust, Hals und Wangen. An diesem sogenannten Kehlfleck können erfahrene Fachleute die Tiere individuell unterscheiden. Sehr auffällig ist der oval-längliche und stark abgeflachte Kopf des Fischotters. Er ist kaum breiter als der Hals. Besonders ausgeprägt sind die langen, kräftigen Barthaare. Wie gut der Otter an das Wasserleben angepasst ist, zeigt die Anordnung der Nase, der Augen und der Ohren. Diese bilden nämlich eine Linie, so dass ein Fischotter seinen flachen Kopf nur ganz wenig aus dem Wasser herausstrecken muss um diese drei Sinnesorgane einsetzen zu können, die ihn z. B. vor Feinden warnen.

Fischotter gehören zur Familie der Marder, sind also eng verwandt mit Dachs, Steinmarder, Iltis und Wiesel. Weltweit gibt es 13 verschiedene Otter-Arten. In Europa lebt nur eine von ihnen: der Eurasische Fischotter. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich von der Iberischen Halbinsel bis nach Nord-Sibirien und von Skandinavien bis nach Süd-Indien. Selbst in Nord-Afrika und im Nahen Osten kommt diese Otterart vor.

In Deutschland haben nur noch in wenigen Regionen Otter überlebt. In West-Deutschland sind es lediglich einzelne Tiere in Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Bremen und Ost-Bayern. In Ost-Deutschland haben wir noch größere Vorkommen in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen sowie Einzelvorkommen in Berlin, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Aufgrund ihrer heimlichen und großräumigen Lebensweise kann man Fischotter nicht zählen. Fachleute gehen aber davon aus, dass in ganz Deutschland nicht mehr als 700 Otter leben.

Fischotter besiedeln alle vom Wasser beeinflussten Lebensräume, von der Meeresküste, über Flüsse, Bäche, Seen und Teiche bis hin zu Sumpf- und Bruchflächen. Wichtig ist dabei, dass diese eine hohe Vielfalt unterschiedlicher Strukturen aufweisen, also einen kleinräumigen Wechsel von verschiedenen Ufer- und Gewässerstrukturen, wie flache, tiefe, langsam oder schnell fließende Gewässerabschnitte, flache und steile Uferbereiche, Sand- oder Kiesbänke, unterspülte Ufer, Röhrichtzonen, Gehölzsäume usw.

Der Fischotter ernährt sich nicht etwa - wie sein Name schließen lassen könnte - allein von Fischen, er frisst vielmehr alle auf, am und im Wasser lebenden Tiere. Dabei bevorzugt er diejenigen, die er am leichtesten erbeuten kann. So machen Frösche während der Laichzeit oder Vögel während der Brut- und Aufzuchtzeit einen wesentlichen Teil seiner Beute aus. Entscheidende Auswahlkriterien bei der Jagd von Fischen sind deren Größe, Standort und Bewegungsfähigkeit. Bevorzugt werden 10 - 20 cm große Fische der langsam schwimmenden und am Gewässergrund oder in Ufernähe lebenden Arten. Bei der Jagd setzt der Otter bevorzugt seine Augen ein, die sehr gut auf Bewegungen reagieren. Ist das Wasser zu trübe, lokalisiert er im Wasser seine Beute vermutlich mit Hilfe der Barthaare, indem er die von fliehenden Fischen verursachten Wellen ertastet. Otter sind überwiegend dämmerungs? und nachtaktive Tiere. Männchen nutzen bis zu 40 km Gewässerlauf als Aktionsraum. Dabei bestehen große Überlappungszonen mit den nur halb so großen Revieren der Weibchen. Zu Tieren des gleichen Geschlechts wird respektvoller Abstand gehalten, so dass sich deren Reviere nur sehr geringfügig überschneiden. Bei ihren Wanderungen können Otter in einer Nacht bis zu 20 km und mehr zurücklegen. Und das nicht nur im Wasser sondern bevorzugt ganz normal über Land. Dabei suchen sie etwa alle ein bis zwei Kilometer eines der Verstecke auf, in denen sie den Tag verschlafen und die sie nur selten länger als 24 Stunden nutzen. Bis zu 40 und mehr solcher Verstecke sind schon für einzelne Otter nachgewiesen worden. Einen richtigen Bau graben Fischotter selten. Meist dienen ihnen Uferunterspülungen, Wurzeln alter Bäume, dichtes Weiden-, Erlen- oder Brombeergebüsch, Reisig und Steinhaufen oder Bisambaue als Unterschlupf. Bei der Auswahl der Wurfbaue spielt deren Sicherheit vor Überschwemmungen und menschlichen Störungen die entscheidende Rolle.

Den größten Teil des Jahres leben Otter als Einzelgänger. Selbst während der Paarungszeit bleiben Männchen und Weibchen nur kurze Zeit zusammen. Eine feste Paarungszeit haben Fischotter allerdings nicht. Daher können die 1 - 3 Jungen eines Wurfes nach ca. 60-tägiger Tragzeit das ganze Jahr über geboren werden. Ein Jungotter wiegt bei der Geburt ca. 70 - 100 g, ist rund 20 cm lang (wovon etwa 5 cm auf den Schwanz entfallen), hat ein silbergraues Fell und ist blind. Die Augen öffnen sich nach rd. 30 Tagen und mit etwa 10 Wochen verlassen die Jungtiere erstmalig die Wurfhöhle. Das Männchen beteiligt sich nicht an der Aufzucht der Jungen, die bis zu einem Jahr bei der Mutter bleiben.

Der Fischotter hat in Mitteleuropa keine nennenswerten natürlichen Feinde. Nur der Mensch hat ihm früher nachgestellt. Noch zu Beginn des letzten Jahrhunderts hat man regelrechte Vernichtungsfeldzüge gegen ihn geführt und für jeden toten Otter eine Prämie gezahlt. Bis zum ersten Weltkrieg wurden in Deutschland pro Jahr allein 10.000 Otter zu Pelzen verarbeitet. Heute dagegen verlieren wir zahlreiche Fischotter durch den Straßenverkehr, durch falsch angebrachte Fischreusen, in denen sie ertrinken und durch freilaufende Hunde, die ihn hetzen.

Der entscheidende Grund für den dramatischen Rückgang des Fischotters aber ist die Zerstörung seiner Lebensgrundlagen. Durch die Kanalisierung, also den an rein technischen Gesichtspunkten orientierten Ausbau unserer Flüsse und Bäche, zerstörten wir die für ihn lebenswichtige Strukturvielfalt. Und dadurch, dass wir noch heute unsere Gewässer viel zu intensiv unterhalten, also mähen und mit dem Bagger räumen, verhindern wir, dass sich diese Vielfalt wieder entwickeln kann. Ursprünglich war der größte Teil unserer Flüsse und Bäche von Gehölzen wie Erlen und Weiden gesäumt. Indem sie abholzt wurden, nahm man dem Otter die Deckung und die Verstecke.

Durch Umweltgifte und Schwermetalle wurden das Wasser und die in ihm lebenden Lebewesen belastet. Diese Gifte reichem sich nun im Organismus des Otters als dem Endglied einer langen und weitverzweigten Nahrungskette an. Sie können verhindern, dass er sich weiter fortpflanzen kann oder führen zu organischen Schädigungen an denen er sterben kann. Diese vielfältigen Beeinträchtigungen unserer Feuchtgebiete führten auch dazu, dass sich das Nahrungsangebot für den Otter verschlechterte. Und nicht zuletzt trugen auch menschliche Störungen durch Massentourismus und ungelenkten Erholungsverkehr zum Rückgang des Otters bei.

Der Fischotter gehört in Deutschland zu den Tierarten, die dem Jagdrecht unterliegen, d. h. Jäger sind u. a. für den Schutz dieser Art verantwortlich. Das Jagdgesetz gewährt dem Fischotter schon seit vielen Jahren eine ganzjährige Schonzeit und das Naturschutzgesetz den Status einer "besonders geschützten Art". Wirksame Schutzmaßnahmen sind jedoch nur über die Erhaltung noch intakter und die Wiederherstellung bereits ge- oder zerstörter Lebensräume möglich. Diese müssen sehr große, vernetzte Flächen bzw. Gewässerstrecken umfassen.

Vor allem sind schädliche Maßnahmen zu unterlassen. Dazu gehören insbesondere großräumige Eingriffe wie Grundräumung, Böschungsmahd und Baumfällungen. Sie sollten auf das unbedingt notwendige Maß reduziert, kleinräumig oder punktuell sowie zeitlich und räumlich versetzt durchgeführt werden (z. B. Mähen nur einer Uferböschung pro Jahr oder alle 200 - 500 m die Uferseite wechselnd, oder Stehenlassen eines etwa 1 m breiten Krautsaums direkt an der Wasserlinie). Die Entnahme von Bäumen sollte so erfolgen, dass sie sich wieder verjüngen können (Stockausschlag, Wurzelbrut) und dem Otter Deckung bieten. Mindestens ein Baum je km Ufer ist als sogenannter Überhälter bis zu seinem natürlichen Tod zu erhalten. Durch Sandfänge, in denen sich das vom Fluss mitgeführte Sediment ablagert, können Grundräumungen punktuell begrenzt werden. Die landwirtschaftliche Nutzung ist so weit von der Gewässerkante zurückzunehmen, dass sich deckungsreiche Uferstreifen bilden können. Ackerwirtschaft gehört überhaupt nicht in eine Flussaue, denn sie verursacht einen verstärkten Eintrag von Schadstoffen in das Gewässer. Die Einleitung ungeklärter Abwässer ist zu verhindern. Die Fischhege hat sich am standortgemäßen Arten und Altersklassenaufbau zu orientieren. Insbesondere an schmalen Fließgewässern ist der Erholungsverkehr zu lenken (z.B. Sperrung für Bootsverkehr, Verlegung von Uferwegen). Zusätzlich müssen Maßnahmen zur Verbesserung von Otter-Lebensräumen ergriffen werden. Dazu gehört z. B. die Abwasserklärung, die Revitalisierung kanalisierter Fließgewässer, die Anpflanzung von Ufergehölzen und die Entwicklung von Altarmen und anderen Stillgewässern zu störungsfreien Rückzugsräumen. Im Vordergrund sollte dabei immer die natürliche Eigenentwicklung der Gewässer stehen und weniger eine künstliche Umgestaltung. Solche und ähnliche Maßnahmen führen neben den Landesjagdverbänden auch die Aktion Fischotterschutz e. V. durch. Sie erforschen die Lebensweise des Fischotters, setzen sich für die Erhaltung und Wiederherstellung von Otter?Lebensräumen ein und führen Aufklärungsmaßnahmen durch. Dabei arbeiten sie auch eng mit Anglern zusammen. Bei der Aktion Fischotterschutz (Otter-Zentrum, Hankensbüttel, Telefon (0 58 32) 60 58, können nähere Informationen über den Fischotter angefordert werden. Dort kann man Otter in naturnaher Umgebung beobachten und durch originelle Lernspiele mehr über sie erfahren. Bereits 1990 hat der Deutsche Jagdschutzverband e. V. die "Aktion Fischotterschutz e. V.", Hankensbüttel, und die "Arbeitsgemeinschaft Fischotter", Bayern, für ihre Leistungen zur Erhaltung des Fischotters mit dem DJV-Naturschutzpreis ausgezeichnet.
 
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